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Überfällige Kehre im entwicklungspolitischen Diskurs?

Zu Gabor Steingarts "Weltkrieg um Wohlstand"

Dieter Senghaas

Wer sich mit der Vorgeschichte des neuerlichen weltwirtschaftlichen Umbruchs, der eben erst in seiner take-off-Phase sich bewegt, sowie mit den absehbaren Entwicklungen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren auseinandersetzen will, tut gut daran, das neueste Buch des Leiters des Berliner Hauptstadtbüros des Spiegels, Gabor Steingart, zur Kenntnis zu nehmen. Die Rezensionen der deutschen Wirtschaftswissenschaftler - überwiegend Freihandelsdogmatiker - fielen meist negativ aus. So auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (1.10.2006). Die Feuilleton-Redaktion der FAZ widersetzte sich der Wirtschaftsredaktion und ließ am 17.10.06 Steingart selbst mit einem ausführlichen Beitrag zu Wort kommen.     Redaktion

Die entwicklungspolitische Diskussion ist angesichts des Entwicklungsgefälles zwischen Gesellschaften und Ökonomien mit hoher Produktivität im Agrar-, Industrie- und neuerdings auch im Dienstleistungssektor auf der einen Seite und den weniger produktiven Ländern dieser Welt auf der anderen Seite gängigerweise auf die Problematik nachholender Entwicklung ausgerichtet. Diese Fixierung ist nicht überraschend, denn in ihr reflektiert sich die Geschichte der modernen Weltwirtschaft, die nach der Phase des frühneuzeitlichen Fernhandelskapitalismus im 18. Jahrhundert mit der Agrar- und industriellen Revolution Englands einsetzte: Dieser Modernisierungsschub wurde zur Geburtsstunde der modernen Entwicklungsproblematik, denn fortan ging es darum, dem Verdrängungswettbewerb der höher produktiven Ökonomie standzuhalten, um nicht peripherisiert oder marginalisiert zu werden, beziehungsweise ein vergleichbares Produktivitätsniveau zu erreichen - dies mit dem Ziel eines symmetrisch gelagerten, somit fairen Wettbewerbs.
Bekanntlich war in den vergangenen 250 Jahren eine erfolgreiche nachholende Entwicklung eher die Ausnahme als die Regel, und dies innerhalb und außerhalb Europas. Wäre der Sachverhalt anders gelagert, gäbe es die Entwicklungsproblematik und das dieser zu Grunde liegende Entwicklungsdilemma nicht. Erfolgreiche nachholende Entwicklung war insbesondere seit der Mitte des 19. Jahrhundert in den heute als Alt-Industrieländer zu bezeichnenden Gesellschaften zu beobachten (ein Vorgang, der rückblickend in Verkennung der tatsächlichen Sachverhalte als selbstverständlich unterstellt wird); wirklich überraschend für die Entwicklungstheoretiker, aber auch für Wirtschaftspolitiker und die Geschäftswelt war jedoch nach 1960 der Entwicklungsdurchbruch Ostasiens, beginnend mit Japan, der sich später in den Schwellenländern Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur fortsetzte. Die Folgen dieser Modernisierungsschübe dokumentierten sich in Exportoffensiven, die auf die Alt-Industrieländer als den einzig nachfragestarken Binnenmärkten der Weltwirtschaft gerichtet waren; in diesen führten die Importschübe zu partiellen Entindustrialisierungsprozessen insbesondere in der Bekleidungs-, Textil-, Unterhaltungselektronik-, Auto- und Schiffsbauindustrie.

China und Indien: Umkehr der Abhängigkeit
"Dependency reversal", die Umkehr der Abhängigkeit, wurde seinerzeit zum Stichwort der entwicklungstheoretischen und entwicklungspolitischen Diskussion. Mit der zunehmenden Flut von arbeitsintensiv produzierten Waren, im Laufe der Zeit jedoch auch von Waren mit gesteigerter und hoher Wertschöpfung (einschließlich von Produkten des Maschinenbaus und von Technologie) inszenierte sich somit ein Verdrängungswettbewerb in umgekehrter Richtung, von den einstigen Peripherien zurück zu den industriellen Altzentren. Für Gabor Steingart ist diese Umkehr des Verdrängungswettbewerbs jedoch nur die Vorgeschichte eines sich seit den 1990er Jahren noch einmal zuspitzenden Wandels in der Weltwirtschaft. Denn mit China und Indien (2,4 Mrd. Menschen) betreten "Tigerstaaten" ganz anderer Größenordnung als die bisherigen ostasiatischen Schwellenländer die Bühne eines weltweit und nicht nur in den klassischen OECD-Gesellschaften folgenreichen Verdrängungswettbewerbs.
Wer sich mit der Vorgeschichte dieses neuerlichen Umbruchs, der eben erst in seiner take-off-Phase sich bewegt, sowie mit den absehbaren Entwicklungen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren auseinandersetzen will, tut gut daran, dieses Buch zur Kenntnis zu nehmen. Der Autor ist historisch und aktuell exzellent informiert, und er hat im besten Sinne des Begriffes einen holistischen Blick, indem er problembewusst die realen Vermittlungen der Entwicklungen in Ostasien, Südostasien und Indien auf der einen Seite und in den Alt-Industrieländern Europas, Ozeaniens und Nordamerikas auf der anderen Seite dokumentiert. Dabei sollten Leser hier zu Lande mit besonderer Aufmerksamkeit die Passagen über Deutschland zur Kenntnis nehmen.

Struktur des Erfolges
Die hier einst beobachtbare Vermittlung der Exporterfolge einer exzentrisch-exportorientierten Ökonomie wie der deutschen (fast 35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes) und der gleichzeitigen Dynamisierung des Binnenmarktes ist, anders als früher, im vergangenen Jahrzehnt aus mehreren Gründen nicht mehr zu beobachten: Zum einen zwingt der globalisierte Wettbewerb im Exportsektor dieses Landes zu ständigen Rationalisierungsinvestitionen und zu Innovationen, die durch eine immer höhere Kapital- und Technologieintensität sich auszeichnen. Trotz eindrucksvollem Wachstum der Exporte findet also auch in diesem Sektor eine relative Freisetzung von Arbeitskraft statt, die in anderen Produktionssektoren, insbesondere in jenen der Binnennachfrage nach Massenkonsumgütern, nicht mehr absorbiert wird, da letztere Sektoren ihrerseits unter einem erfolgreichen Verdrängungswettbewerb von tendenziell eher arbeitsintensiven Importgütern aus den Neu-Industrieländern Ostasien und Osteuropas sich befinden, also selbst unter dem Zwang von Freisetzungsprozessen stehen.
Zum dritten erhöht sich der Importanteil deutscher Exportgüter auf inzwischen fast 40 Prozent; d.h. die erfolgreichen Exportgüter Deutschlands bestehen demnächst hälftig aus Importen, was nicht den Erfolg der Exporte schmälert (Deutschland bleibt mehr oder weniger Exportweltmeister!), was aber ohne korrigierende Gegenmaßnahmen das Ausmaß an strukturell werdender Arbeitslosigkeit akzentuiert. Es kommt hinzu, dass allenthalben beobachtbare Einbußen der Realeinkommen die Einkommensbezieher veranlassen, die verbliebene Kaufkraft auf Billigangebote jedweder Art (von Bekleidung bis zu langlebigen Gütern) umzulenken, also auf Waren, die tendenziell nicht aus heimischer Produktion stammen, sondern in Billiglohnländern ohne soziale Rückversicherung, ohne Arbeits- und Umweltschutz gefertigt werden und somit in einem freihändlerisch strukturierten Weltmarkt nicht hier zu Lande, sondern andernorts Arbeitsplätze entstehen lassen.

Struktureller Weltkrieg um Wohlstand
Steingart nennt folglich Deutschland eine "Abschiedsgesellschaft": Verabschiedet wurden im verarbeitenden Gewerbe zwischen 1991 und 2003 etwas mehr als ein Fünftel der Arbeitsplätze (= 3 Millionen), und die Prognose lautet, dass bis zum Jahr 2015 von den heute noch existierenden ca. 8 Millionen Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe nur 6 Millionen übrig bleiben werden. Das sind Spitzenzahlen innerhalb des Clubs der OECD-Ökonomien; sie dokumentieren eindrucksvoll die fatale Dialektik einer phantastisch erfolgreichen Exportökonomie und unter obwaltenden Bedingungen den Verwerfungen ohne absehbares Ende in der restlichen Ökonomie. Weniger erfolgreiche altindustrielle Ökonomien mit einer insgesamt weniger exportlastigen, d.h. mit einer ausgeglicheneren Wirtschaftsstruktur sind von dieser Strukturfalle des Erfolgs weniger betroffen als Deutschland.
Natürlich ist der Titel des Buches "Weltkrieg um Wohlstand" als Blickfang auf den potenziellen Käufer gerichtet. Und historisch versiert, spitzt der Autor die politischen Implikationen seiner Diagnose auf die Frage zu: "Wo liegt das neue Sarajevo?" Wobei er die aktuellen und potenziellen Konfrontationskonstellationen innerhalb des asiatischen Raumes (Koreanische Halbinsel, China-Taiwan, China-Japan-USA) und folglich das potenzielle Überschwappen geo-ökonomischer in geo-politische Konfrontationslinien ausleuchtet. Das Buch prognostiziert jedoch keinen Weltkrieg im überkommenen Sinne des Begriffes. Es diagnostiziert vielmehr einen dramatischen Strukturwandel, der die bisherige entwicklungspolitische Diskussion, die der Hierarchie der Weltwirtschaft in der Abstufung von Zentren - Subzentren - Semiperipherien - Peripherien - Subperipherien folgte, durchkreuzt und der in der Folge der Aufwärtsmobilität der einen (der Neu-Industrieländer) und der drohenden teilweisen Abwärtsmobilität der anderen (der Alt-Industrieländer) in Ergänzung zu alten entwicklungspolitischen Fragestellungen neue, die uns hier zu Lande ganz zentral betreffen, provoziert. Im übrigen sind nicht nur die Alt-Industrieländer wie Deutschland vom "dependency reversal" betroffen; betroffen sind auch Peripherien und Subperipherien à la Afrika, wo neuerdings chinesische Waren den allermeist ohnehin nur fragil existierenden arbeitsintensiven gewerblichen Sektor via Billigstimporte niederkonkurrieren, gewissermaßen als "Gegenleistung" zu den Rohstoff- und Energieexporten dieser weithin immer noch monokulturell strukturierten Länder. Dieser Sachverhalt bleibt im Buch unterbelichtet.

Friedrich List der verkannte Vordenker
In diesem Buch gibt es überdies glänzend argumentierende Passagen, in denen der Autor sich mit dem weiterhin wirklichkeitsfremd, weil abstrakt verallgemeinernd propagierten Freihandelsdogma auseinandersetzt. Es sind Passagen, die genüsslich, aber treffsicher die Irrtümer des David Ricardo und vieler seiner Nachfolger auflisten. In der real existierenden Weltwirtschaft war und ist Freihandel eine leidlich problemlose Devise im Austausch von Ökonomien, deren Sektoren sich einzeln und insgesamt durch eine einigermaßen vergleichbar hohe Produktivität auszeichnen. Nachholende Entwicklung fand demgegenüber erfolgreich immer unter Missachtung und nicht der Beachtung von freihändlerischen Prämissen statt, folglich unter Vorzeichen von Protektion und Staatsintervention, insbesondere in einer ersten Phase nachholender Entwicklung von nicht marktkonformer, sondern auf die Erschließung von Produktionspotenzialen gerichteter Entwicklungsförderung.
Die erfolgreich nachholend entwickelten Regionen Kontinentaleuropas, die USA, Kanada, Neuseeland und Australien sind der beste Beleg hierfür; neuerdings ebenfalls die Schwellenländer Ostasiens und nunmehr China, wo, wie im Buch dokumentiert wird, Staatsintervention nach innen und in der Außenwirtschaftspolitik an erster Stelle steht, dem altbewährten Rezept von erfolgreichen Aufstiegsökonomien folgend: freihändlerisch nach außen (überdies noch unter den Vorzeichen einer deutlich unterbewerteten Währung, was die Exportoffensiven erleichtert) und möglichst abgeschottet gegenüber Importen (wozu, wie immer schon, alle möglichen Tricks der Abwehr von Importen und eine unterbewertete Währung, die die potenziellen Importgüter deutlich verteuert, dienlich sind). Hinzu kommen neuerdings die massiven staatlichen Aktivitäten in China bei der Förderung von Forschung und Entwicklung (einschließlich im Bereich der Biotechnologie), von Bildung und Infrastruktur, die alle dazu beitragen sollen, das Kompetenzniveau und insbesondere das so genannte "immaterielle Kapital" zu erhöhen.
Es ist also nicht Protektion pur und simpel, sondern eine gezielte Entwicklungsförderung vor Ort, die in Kombination mit selektiver Protektion in aller Regel für die Dynamisierung von Aufstiegsmobilität verantwortlich war und offensichtlich immer noch ist. Warum nur der Autor in seiner lesenswerten Ricardo-Kritik diverse spätere Wirtschaftstheoretiker und Wirtschaftshistoriker zitiert, nicht aber jenen Theoretiker und Entwicklungspraktiker, der all diese Kritik hellsichtig schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert formuliert hat, nämlich Friedrich List, ist ausgesprochen merkwürdig. Denn die Ricardo-Kritik in diesem Buch ist List´scher Klartext, überdies entwicklungsgeschichtlich und aktuell bestens zu belegen, auch wenn die Entwicklungstheoretiker, die Entwicklungspolitiker und insbesondere die Entwicklungsökonomie, von der Schulökonomie ganz zu schweigen, List verdrängt oder einfach vergessen oder als engstirnigen Schutzzollpropagandisten banalisiert und verkannt haben.

Transatlantische Freihandelszone nach List
Was immer Steingart veranlasst hat, alle bleibend korrekten Argumente Lists aufzulisten, den Autor jedoch namenlos zu lassen, der eigentlich entscheidende Punkt, den dieses Buch eindrucksvoll verdeutlicht, ist jedoch die Notwendigkeit, im heutigen neuen Kontext eine neue entwicklungspolitisch motivierte Strategie à la List sich auszudenken: Diese wäre nunmehr allerdings nicht auf die Abwehr eines Verdrängungswettbewerbs auszurichten, dessen Ziel es ist, eine nachholende Entwicklung zuallererst einmal zu inszenieren; vielmehr geht es darum, vermittels von Handelspolitik und binnenwirtschaftlicher Strukturpolitik gewissermaßen eine sekundäre, mehr oder weniger sich sektoral oder breit ausprägende Peripherisierung von schon einmal hoch entwickelten Gesellschaften und Ökonomien wie Deutschland abzuwehren und zukunftsorientiert produktiv zu verarbeiten. Steingarts Vorschlag ist in diesem Zusammenhang kurz und bündig: Der Autor plädiert für eine europäisch-amerikanische Freihandelszone als Grundlage für eine gemeinsame westliche Handelspolitik, vermittels derer gegenüber den Neu-Industrieländern Asiens erreicht werden kann, was gutes Zureden per Diplomatie und hiesiger Tarifpolitik nicht mehr zu erreichen imstande ist: "den asiatischen Steigflug zu beeinflussen, seine Richtung so zu verändern, dass sich ihre und unsere Flugbahnen nicht ständig in die Quere kommen".
Was Steingart sich hier wohl vorstellt, ist die Einwirkung auf die Produktions- und insbesondere die Arbeitsverhältnisse in den Neu-Industrieländern Asiens via einer von Nordamerika und Europa gemeinsam vertretenen Handelspolitik, die zum Hebel solchen selektiven Einwirkens werden soll. Nicht also Handel per se ist der entscheidende Punkt in seinen Überlegungen, sondern Handelspolitik, die einen großen Wirtschaftsraum, eben Nordamerika und EU-Europa, zum Hintergrund und als Rückgrat hätte. Andere Maßnahmen kämen hinzu, so z.B. die überfällige Erhöhung der Investitionsquote, die allenthalben in den OECD-Gesellschaften und neuerdings insbesondere auch in Deutschland fatalerweise daniederliegt: Die anderen Reformagenden sind so bekannt, wie sie zerredet werden - ein Symptom von "Abschiedsgesellschaften", die jedoch ihrerseits nicht das Ergebnis historischer Zwangsläufigkeiten sind (man beachte die Variabilität innerhalb der OECD-Welt), sondern eine Folge von Politikversagen.

Entwicklungsproblematik bleibt
Die Entwicklungsproblematik schlägt also zunehmend auf die zurück, die einst und noch bis vor kurzem geradezu exklusiv deren Dynamik verursachten: die Alt-Industrieländer. Im Lichte dieses Sachverhalts ist folglich zu fragen, ob nicht eine Kehre in der entwicklungspolitischen Diskussion überfällig ist. Wer das vorliegende, durchwegs gehaltvolle und überdies leicht lesbare Buch zur Kenntnis nimmt, wird sich einer positiven Antwort nicht entziehen können. Das heißt jedoch nicht, dass überkommene Fragestellungen der entwicklungspolitischen Diskussion ad acta gelegt werden könnten. Ganz im Gegenteil! In dem Buch beschäftigt sich der Autor nicht mit der gängigen Entwicklungsproblematik, nicht mit dem Nord-Süd-Verhältnis oder der so genannten Entwicklungskooperation, auch nicht, wie schon erwähnt, mit dem "race to the bottom", der als Folge der chinesischen und anderer Exportoffensiven in anderen Peripherien (wie in Afrika) akzentuiert zu beobachten ist.
Die alte Entwicklungsproblematik - "nachholende Entwicklung" - verflüchtigt sich also nicht - Symptome, Irrwege und Auswege sind seit langem bekannt. Mit der Kehre, die dieses Buch avisiert, wird jedoch der Entwicklungsdiskurs zu einem wirklich globalen erweitert. War er bisher für uns, also die OECD-Welt und insbesondere auch für Deutschland, relativ luxuriös, weil der Erfolg hier und allermeist die Fehlentwicklung andernorts lokalisiert waren, so betrifft er nunmehr angesichts der quantitativ und zunehmend auch qualitativ zu Buche schlagenden Erfolge andernorts diejenigen, die bisher die Nase immer vorn hatten, auf ganz elementare Weise: Verwerfungen beginnen wie üblich segmenthaft und sektoral trotz und gerade wegen exzentrischer Exporterfolge und der durch sie induzierten Fehlentwicklungen und Inflexibilitäten in den weniger produktiven binnenwirtschaftlich ausgerichteten Sektoren, und sie werden sich fortsetzen und verfestigen, wenn nicht kluge Entwicklungspolitik hier zu Lande ihnen entgegenwirkt. Erfreulicherweise trägt Steingarts Buch zu dieser Erweiterung des Entwicklungsdiskurses eindrucksvoll bei - übrigens ohne Panikmache, die ihm in ersten Rezensionen von Schulökonomen vorgeworfen wurde.

Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Senghaas ist Professor für internationale Politik und internationale Gesellschaft, insbesondere Friedens-, Konflikt- und Entwicklungsforschung am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Mit Samir Amin gehört er zu den Pionieren der Theorie der autozentrierten Entwicklung. Dazu: Weltwirtschaftsordnung und Entwicklungspolitik (Frankfurt/Main 1977), Zum irdischen Frieden. Erkenntnisse und Vermutungen. Kap.9 (Frankfurt/Main 2004).



eins Entwicklungspolitik 21-2006