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Vernetzung und Vertrauensbildung

Bilanzierung der Zusammenarbeit von Niedersachsen und Ost-Kap Südafrika

Von Volker Weyel

Dichter geworden ist das Geflecht von Initiativen im Rahmen der Länderpartnerschaft zwischen Niedersachsen und der südafrikanischen Provinz Ost-Kap in den letzten Jahren. Dem Ziel, das "Netzwerk der Akteure zu stabilisieren", diente ein von InWEnt und der Staatskanzlei ausgerichtetes Werkstattseminar Mitte Juli in Hannover.

Die Partnerschaft wurde 1995 geschlossen, im gleichen Jahr, in dem auch Bayern und Nordrhein-Westfalen ihre Verbindungen mit den Provinzen West-Kap respektive Mpumalanga (vor 2002 Ost-Transvaal) aufnahmen. Die unter Ministerpräsident Gerhard Schröder eingegangene Beziehung überstand den Regierungswechsel unbeschadet; Schröder-Nachfolger Christian Wulff besuchte Ost-Kap im April 2006. Auf niedersächsischer Seite sind mehrere Ministerien und Behörden beteiligt. Die Einbeziehung nichtstaatlicher Organisationen indes lässt zu wünschen übrig, erst recht auf südafrikanischer Seite. Mehrfach moniert wurde, dass die Landesregierung für die unvermeidlichen Kosten der Partnerschaft nur vergleichsweise bescheidene Mittel bereitstellt; dies gilt auch für die (im wesentlichen von der Universität Oldenburg getragene) Wissenschaftskooperation.

Schwerpunkt Berufsbildung

Ein besonderer Schwerpunkt besteht im Bereich der beruflichen Bildung. So hat das Niedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NiLS) die Einrichtung eines Bildungsservers unterstützt. Mit einer Plattform für "E-learning" sollen die Berufschancen von Jugendlichen erhöht werden. Kooperation existiert auch im Bereich sozialer Projekte für benachteiligte Jugendliche; das alte pädagogische Konzept der "Produktionsschule" steht in einem aktuellen Praxistest.

Einen Beitrag zur Behebung der Wohnungsnot soll ein kostengünstiges Energiedämmhaus leisten; vorgestellt wurde das Konzept eines "African Sustainable House". Damit wird auch ein beim "Loccum-Oudtshoorn-Prozess" (eins Entwicklungspolitik 21-2006, S. 56-58) identifiziertes strategisch relevantes Projekt fortgeführt.

Einen anderen Aspekt der südafrikanischen Wirklichkeit greift die Landesregierung mit ihrer Bereitschaft auf, die Vorbereitung auf das Großereignis des Jahres 2010 - die Fußballweltmeisterschaft mit Begegnungen auch in Ost-Kap, nämlich im künftigen Nelson-Mandela-Bai-Stadion von Port Elizabeth - durch Beratung zu unterstützen.

Die selbstkritische Bilanzierung des Standes der Zusammenarbeit unterstrich einmal mehr die Bedeutung der Kommunikation - im sehr direkten wie im übertragenen Sinne - zwischen den Partnern. Angesichts des kollektiven Apartheid-Traumas kommt der Vertrauensbildung und der gemeinsamen Bestimmung der Ziele besondere Bedeutung zu.

Erfolgreiche Zusammenarbeit kann auch überraschende Folgen nach sich ziehen. So ist beim "E-learning"-Projekt für das NiLS die eigentliche Arbeitsebene in Gestalt der Lehrer schwer zu erreichen, denn die Leitungsebene nimmt aus Prestigegründen die Kontakte gern unter Beschlag.