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Stuntbilder

Ewige Wiederkehr der Verschwörungen:
Hexen, Verräter, Kommunisten, Kapitalisten und Terroristen

Von Al Imfeld

Vergäße der Mensch nicht so leicht und rasch, er müsste verzweifeln, denn alles kehrt wieder - verbessert, komplexer, raffinierter und perfider. Leider betrifft es das Böse. Das Gute geht unter und ist unscheinbar. Das Böse wiederholt sich; vielleicht besteht gerade darin das Geheimnis des Bösen: seine dauernde und phantasielose Wiederkehr, die monotone und quälerische Wiederholung. Wenn ich an den Kalten Krieg denke, erinnere ich mich (und das kann ich noch, gerade weil ich selbst mehrere Male ein Opfer wurde) an die Übertreibung einer fast gigantisch und kafkaesk eingebildeten Gefahr und an den großen Staat, der seine Bürger schützen müsste, sie jedoch täglich abhängiger machte.

Das, wovor Bürger Angst haben sollten, wurde in umgekehrter Form, versteckt und hinterrücks mit doppelter Dosis vom scheinheiligen Schutzherrn getan: die Versklavung seiner Bürger. Und genau dorthin sind wir zurückgekehrt. Man kann durch die Geschichte gehen, immer geschah es wieder: Die Hexenjagden passen in dieses Schema, während der Reformation verketzerten sich beide Seiten und sahen überall versteckt den "Abgefallenen" sich einschleichen; in allen Revolutionen versteckten sich "Verräter", "Abweichler" und "Kollaborateure". Zu ihrem Machterhalt manipulierten damit Napoleon, Lenin und Stalin, aber auch Mao.

Der Nationalstaat brauchte erst recht und stets einen handfesten Feind, um Armee und Rüstung zu rechtfertigen. Natürlich gibt es immer und überall schlechte Menschen - das ist realistisch. Aber gleichzeitig wird aus mehreren Einzelnen mit etwas Ähnlichem im Charakter oder im Verhalten eine Verschwörergruppe konstruiert, d.h. man kategorisiert all diese Bösen und formt sie zu einem Verräterbund. Realistisch gesehen sind es voneinander unabhängige Charaktere, aber psychopathologisch werden sie zu einer Gruppe der Bedrohung hypostasiert.

Wir können schon jetzt erkennen, dass dieses "Böse" stark mit Macht zu tun hat und auf einem dualistischen Denken basiert, welches annimmt, es gebe bloß zwei Wahlmöglichkeiten. "Gutes" mag sich auch wiederholen, jedoch nur viele Varianten reicher und breiter gestreut.

Vom Kalten zum Antiterrorismus-Krieg

Noch vor kurzem im Kalten Krieg wurde jeder Mensch, der sich nicht ganz konform verhielt, des Kommunismus verdächtigt. Seit dem 11. September wurde aus dem Kalten Krieg der Antiterrorismus-Krieg. Die Terrorismusmanie ist mehr als krankhaft; sie zerstört menschliches Zusammenleben, verdächtigt generell den Islam, mystifiziert und erhöht Al-Qaida, obwohl man nicht einmal mehr weiß, ob Bin Laden noch lebt; man vermischt alles, fragt nicht nach Hintergründen des Irakkrieges, des Israeli-Palästinenser Verhältnisses, der absolut ungerechtfertigten Folterungen in Guantánamo.

Zuerst müsste man das Spiel der US-Macht hinterfragen, nicht einen einzelnen politischen Verbrecher. Vor allem müsste man äußerst vorsichtig mit allen Religionen umgehen; Fanatismus gehört/e zu allen. Wir stehen momentan im Trubel der größten globalen Manipulation - ausgehend von Regierungen (nicht vom Volk), Geheimdiensten, zu deren stiller Komplizin nur allzu leicht die Sensations- oder Hetzpresse wird, aber auch von verschiedenen Parteien, die daraus einfach Stimmen gewinnen wollen.

Viel Logik ist nicht immer hinter all den Anschuldigungen. Warum etwa sollen sogar in der Sahara oder in den afrikanischen Urwäldern Al-Qaida-Trainingslager sein? Wenn dem so wäre, wäre es doch ein leichtes für die Amerikaner, sie auszunehmen. Diese Lügen sind genau nach dem Muster der Uranlüge (für den Irak aus Niger) gestrickt. Oder wenn die USA einfach weltweit befehlen, wie der Luftverkehr vor Terroristen geschützt sein muss und wie wir an Flughäfen durch Sicherheitskontrollen, die jedem Tierschutz ein Hohn wären, kriechen müssen. Aber den Hütern der Einseitigkeit gilt der Mensch ohnehin wenig: von Verhören, Folter, Abhören, Schnüffeln, Betrügen und Hereinleimen lebt Sicherheit. Längst hat dieses Sicherheitsgehabe das Menschliche angegriffen und Sicherheit ohnehin zerstört und zu einem technologischen Business werden lassen.

US-Regierung befiehlt

Warum gehen alle Regierungen mit? Einfach weil die US-Regierung es befiehlt? Wo bleibt unsere Selbständigkeit? Falls wir uns etwas weniger schützen wollen, soll das bitte Amerika egal sein. Ja, warum nicht mehr Proteste, keine Einsprachen und Widerstand? Ganz einfach: Widerstand bedeutet des Terrorismus verdächtig zu sein. So läuft seit eh die Maschinerie ab.

Das Wort Terrorist müsste längst verschwinden, sofern wir politisch korrekt sprechen und schreiben wollen. Die Verbindung bestimmter politischer Verbrechen hat mit dem Nahostkonflikt, einem Tabu, zu tun. Es wird also verschleiert und um des Verdrängens willen etwas ganz anderes in den Vordergrund gebracht und sogar noch inszeniert.

Weg mit den Gesetzen: Sie haben keine Befreiung und nur weniger Freiheit gebracht. Polizei- und Militärstaat, die Überwachung und Einmischung nehmen laufend zu, und das wirkt sich auch im Süden und Osten aus. Vor kurzem sagte ein Mann auf einer Messe für Sicherheitstechnologie: "Gäbe es den Terrorismus nicht, würde der Markt zusammenbrechen und damit auch viele Arbeitsplätze verschwinden." Ein Politiker des Westens verbreitet diese Angst: "Wir alle im Westen sind im Fadenkreuz des Terrorismus." Und ein letztes Zitat vom angolanischen Militärminister: "Wir müssen unbedingt aufrüsten, um gegen den Terrorismus gerüstet zu sein." Von Hunger sprach er nicht.

Sind das wirklich Rezepte der Politik? Man könnte endlich wirkliche und weltweit vernetzte Politik machen und nicht weltweit Terroristen jagen gehen.