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Perspektivwandel

Afrika dank China "on the rise" - Ende des westlichen Monopols

Von Konrad Melchers

Afrika im Aufbruch, die chinesische Herausforderung, "African Peer Reviews", der politökonomische Performance-TÜV in Afrika und die Segnungen der afrikanischen Diaspora in aller Welt waren die nicht gerade abgestanden Themen des "Deutschen Weltbankforums 2007" Ende Mai in Berlin, das ein Höhepunkt im "run up" zum G8-Gipfel in Heiligendamm sein sollte.

Eine beachtliche Ansammlung von Prominenz war nach Berlin gejettet, um sich im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR und im "Haus der Deutschen Wirtschaft" vor großem Fachpublikum zu präsentieren. Dazu gehörten: die Präsidenten Festus Mogae von Botswana und Thomas Boni Yayi von Benin, der sudanesische Tycoon, Mo Ibrahim ("I'm a Nubian" - in antiken Zeiten das Wort für Schwarzafrikaner), der die Handy-Revolution in Afrika verbreitet hat und sein Unternehmen Celtel schon nach wenigen Jahren für 3,5 Mrd. Dollar verkaufen konnte, sowie der mit dem Friedensnobelpreis geehrte Guru der Mikrokredite, Muhammed Yunus.

Das Licht geht an

"Africa on the rise" - es gab niemand mehr, die oder der es wagte, dieses Konferenzmotto in Frage zu stellen. Fast alle Redner gerieten darüber in Verzückung. Die Gastgeberin, Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, machte den noch zurückhaltenden Anfang: "Afrika ist nicht mehr der hoffnungslose Kontinent - im Gegenteil: Afrika ist heute der Kontinent im Aufbruch mit erstaunlichem Potenzial für politischen und sozialen Wandel". An anderer Stelle warb Bundeskanzlerin Angela Merkel bei 16 Chefs der größten deutschen Unternehmen für Investitionen in Afrika, wo das Entwicklungspotenzial "unglaublich" geworden sei. "Wir sehen, dass in Afrika das Licht angedreht wird", "in der Weltbank ist Afrika Nummer eins", erklärte die Weltbank-Vizepräsidentin für Afrika, Obiageli Katryn Ezekewesili. Sie ersetzte ihren noch-Chef, Paul Wolfowitz, den Wieczorek-Zeul nicht haben wollte, und für den im ursprünglichen Programm nur "Weltbankpräsident" ohne Namen stand.

Auch der südafrikanische Handelsminister, Mandisi Mpahlwa erkannte den "Umschwung auf dem Kontinent" und pries vieldeutig die "riesige Konkurrenzfähigkeit der afrikanischen Märkte". Für den Ex-DaimlerChrysler-Vorsitzenden, Jürgen Schrempp, ist das Konferenzmotto ein alter Hut. Er hatte schon vor zehn Jahren als einziger prophetisch bei einer Weltbankveranstaltung in Stuttgart ausgerufen: "Africa is on the move". Diesen Ball spielte der Präsident des "African Business Council", Bamanga Tukur weiter: "Afrika ist nicht länger ein verankerter Ballon, das Ankerseil ist durchgeschnitten." Den Torschuss verwandelte die Vorsitzende des Afrikavereins, Bianca Buchmann. Beim G8-Gipfel vor zwei Jahren in Gleneagles sei das Motto noch gewesen: "Africa works", jetzt für Heiligendamm sei es "Africa on the rise". Bald müsse gesagt werden können: "Africa has arrived" - dank der Privatwirtschaft. Da blieb KfW-Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh doch vorsichtiger: Afrika sei zwar vom Boden abgehoben, aber die Flughöhe für den Fernflug habe der Kontinent noch nicht erreicht.

Peter Eigen, neuerdings Gründer und Vorsitzender der Rohstoff Transparenz Initiative (Extractive Industries Transparency Initiative), die für Afrika besonders wichtig ist, sieht ebenfalls einen grundlegenden Wandel. Überall in Afrika sei jetzt im öffentlichen Diskurs das Korruptionsthema ganz oben. "Der Kontinent ist voll von Geschäftsmöglichkeiten", meinte R.M.V. Raman, Sonderberater der Exim Bank von Indien. Er ersetzte einen Vertreter der chinesischen Exim Bank, der nach Auskunft der Veranstalter kein Ausreisevisum erhalten hatte.

Ein Gespenst geht um

Auch ohne Präsenz eines chinesischen Vertreters beherrschte die Veranstaltungen ein Thema, das im Programm nicht vorgesehen war: der wirtschaftliche Aufmarsch Chinas in Afrika. Die Monopolstellung, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion der Westen in Afrika besaß, ist zusammengebrochen. Das wurde in Berlin deutlich. Die Afrikaner genossen ihre gestärkte Position in dieser neuen Konkurrenz. Festus Mogai warf den Ball zuerst ins Feld und schwärmte von der Wirksamkeit und Effizienz der chinesischen Wirtschaftshilfe. Ihm schlossen sich die meisten afrikanischen Redner an. Wenn China ein Projekt zusage, dann folgten nicht endlose Untersuchungen, Berichte und weitere Verhandlungen, sondern es werde zur Tat geschritten und die Projekte innerhalb kürzester Frist realisiert. Angesichts solchen Liebesentzugs warnte Schrempp, Afrika möge doch gefälligst die langfristigen Ziele Chinas prüfen, bevor es sich auf Geschäfte mit China einlasse. Der Kenianer Bethuel Kiplagat, einer der sieben "namhaften Persönlichkeiten", die den Afrikanischen "Peer Review" Mechanismus leiten, versicherte, dass man sich über die Ziele Chinas, an Rohstoffe zu gelangen - wie auch der Westen -, keine Illusionen mache. Aber das könne für Geschäfte kein Hinderungsgrund sein. Ironisch setzte er nach: "Am liebsten hätten wir die Projekte von China durchgeführt, aber weiter vom Westen bezahlt."

Noch deutlicher klagten deutsche Wirtschaftsvertreter wie Jens Peter Breitengross von der Hamburger Handelsfirma Jos Hansen & Söhne und Gerhard Gauff von dem Consultingunternehmen Gauff Ingenieure über die einseitigen Vorteile chinesischer Konkurrenten. Sie würden massiv vom chinesischen Staat subventioniert. Deshalb müsse die Weltbank in Zukunft bei ihren Ausschreibungen hohe soziale und ökologische Standards setzen. Breitengross offerierte die Lösung: Die Hälfte des deutschen Entwicklungshaushalts sollte für die Förderung deutscher Privatunternehmen in Afrika verwandt werden.

Peer Reviews fürs Geschäft

Von Afrikanern aus dem Publikum wurde immer wieder gefragt, wie die afrikanische Diaspora in aller Welt für Afrikas Entwicklung mobilisiert werden könne. Bei diesem Thema hat die Weltbank die Nase wieder vorn. Weltbankvizepräsident Michael Klein, Chefökonom der Weltbanktochter IFC, die private Direktinvestitionen fördert, betonte die Bedeutung von Rücküberweisungen und des Retransfers von Geldern, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. "Good Governance" war deshalb in aller Munde und wurde zur entscheidenden Voraussetzung für Investitionen erklärt. Das neue Zauberwort sind hierfür die Peer Reviews geworden, bei denen sich die afrikanischen Staaten unter weitgehender Einbeziehung der Zivilgesellschaft gegenseitig überprüfen (vgl. eins 1-2 und 10-2006). Schrempp: Die Peer Reviews kommen vom Inneren Afrikas. Deshalb sind sie wichtig fürs Geschäft.