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Eurozentrismus ist nicht mehr gefragt

Perspektiven von Partnerorganisationen im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst

Hermann-Josef Platzbecker

Das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat im März einen Entwurf für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst vorgelegt. Die konkrete Ausgestaltung eines solchen Dienstes wird momentan zwischen Ministerium und Nichtregierungsorganisationen (NRO) in Deutschland diskutiert. Doch was halten die Partner im Süden von einer Ausweitung der bestehenden Freiwilligendienste? Welche Erfahrungen haben sie mit diesen gemacht? Was kann daraus gelernt werden für einen zukünftigen, groß angelegten internationalen Freiwilligendienst? Der Autor ist seit 1991 als Referent in der "fid-Service- und Beratungsstelle für internationale Freiwilligendienste" in der "Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe" Köln (AGEH) tätig. In einem dreijährigen Modellprojekt von 2005 bis 2008 arbeitet er als Berater für internationale Freiwilligendienste in Deutschland und Lateinamerika. Redaktion

Wir haben die Nase voll von vielen Freiwilligen!", dies ist momentan oft zu hören von Partnern in Afrika und Lateinamerika, wenn sie gefragt werden, inwieweit sie in Zukunft mit mehr deutschen Freiwilligen im entwicklungspolitischen Dienst kooperieren wollen. "Die Freiwilligen verdienen ja mehr, als viele von uns für eine ganze Familie zur Verfügung haben!", kritisieren sie mit Blick auf die finanzielle Ausstattung des Dienstes. Eine weitere Klage: "Was sind das für Organisationen aus Deutschland, die uns da anschreiben und nach neuen Stellen für Freiwillige fragen? Die kennen wir überhaupt nicht. Traditionell arbeiten wir seit Jahren mit zwei anderen Partnerstellen aus Deutschland und den USA zusammen. Das ist schon schwer genug, die unter einen Hut zu bringen."

Aus Peru heißt es: "Wir sind wieder nicht dabei! Die weiten nur die Dienste für Deutsche aus. Die Leute aus unserem Land bekommen nicht die Chance zu einem Freiwilligenaustausch mit Europa. Was verstehen die eigentlich unter gemeinsamem Lernen? Soll sich nur bei uns im Süden etwas ändern?"

"Und wenn sie schon von uns erwarten, dass wir für Qualität in der Begleitung sorgen, warum fragen sie denn nicht uns, was wir darunter verstehen, was wir sehen, was alles schief läuft? Die bekommen doch kaum was mit. Evaluationen machen sie jetzt schon meist ohne uns. Dazu kommt: Für unsere Mühe, die wir uns täglich mit den Freiwilligen hier machen, bekommen wir nicht einen Cent. Wir machen das gerne. Doch bald wird es zu viel. Um mit meiner Familie zu überleben, brauche ich schon jetzt zwei bis drei Arbeitsstellen." So eine Stimme aus Bolivien.

Aus Guatemala ist zu hören: "Es wäre wirklich hilfreich, wenn wir noch mehr im Projekt und persönlich von den Freiwilligen profitieren könnten, von den Schülern wie den Berufserfahrenen; wenn sie mehr konkrete Fähigkeiten mitbringen könnten, die zukunftsgerichtet sind und aus unserer Sicht auf die gewünschte Entwicklung und die Anforderungen passen. Wichtig wäre dabei auch, dass sie enger mit unseren Freiwilligen hier zusammenrücken."

Alle Äußerungen verweisen auf Kommunikationsprobleme in der internationalen Zusammenarbeit. Einige davon möchte ich skizzieren und auf Konsequenzen für die Ausrichtung des vom BMZ geplanten Dienstes hinweisen:

• Die Pläne einer drastischen Erweiterung internationalen Freiwilligenengagements machen es notwendig, sich vorher die bestehenden "Landeplätze für Freiwillige" genauer anzuschauen. Wir müssen mit den Menschen sprechen, die schon über Jahre Erfahrungen mit den in der Mehrzahl jungen Freiwilligen machen - gute wie auch belastende Erfahrungen! Konsequenz: Die Menschen, auf die wir (mehr oder weniger ungefragt!) in der Begleitung der Freiwilligen setzen, müssen ihre Wünsche, ihre Erwartungen und Befürchtungen kommunizieren können.

• Die Rahmenbedingungen für die interkulturelle Begegnung und Zusammenarbeit müssen ausgewogen gestaltet werden. Das erfordert Einfühlungsvermögen. Respekt und die "Balance in der Zusammenarbeit" müssen spürbar sein. Dominanzen, die Misstrauen säen, sind zu vermeiden. Konsequenz: Wir benötigen aus den ausländischen Dienststellen selbst Hinweise für eine angemessene materielle und finanzielle Ausstattung der Dienste. Das muss vorab abgefragt werden. Wir sind angewiesen auf verlässliche und belastbare persönliche Beziehungen mit den (potenziellen) Partnerstellen.

• In vielen Freiwilligendienststellen begleiten Menschen seit Jahren Freiwillige. Sie leiten sie in ihren Aufgaben an, helfen ihnen bei Krankheit, Überfällen oder in Phasen der Resignation, geben Orientierung im Alltag. Sie investieren Zeit und Geduld, die Erfahrungen der Freiwilligen anzuhören. Angesichts der zunehmenden Zahlen und der gleichfalls zunehmenden Eigensinnigkeit und Eigenwilligkeit von Freiwilligen sind die Partner schon heute vielfach überfordert. Dies will das Förderprogramm des BMZ explizit vermeiden. Konsequenz: Neue "Verbindlichkeiten" in Form schriftlicher Vereinbarungen zur Begleitung Freiwilliger allein oder eine einseitige In-die-Pflicht-Nahme reichen nicht aus. Die Partner müssen ihre Überforderungen kommunizieren dürfen. Sie entscheiden darüber, was aus ihrer Sicht leistbar ist und was nicht.

• Internationale Freiwilligendienste werden immer mehr auf konkret beschriebene Aufgaben hin ausgerichtet. "Unterweisung in Arbeiten mit dem PC und Internet", "Englischunterricht", "Physiotherapie" u.a.m. Es wird deutlich, dass ausländische Freiwillige immer mehr den Mitarbeitern in den Dienststellen Brücken bauen sollen bei der "technologischen Entwicklung". Das ist verständlich. Freiwillige sollen auch Aufgabenfelder abdecken, die die Partnerstellen mit eigenen Ressourcen im Land nicht abdecken können. Jedoch: Freiwilligendienste allein sind nicht die rechte Antwort auf den Qualifizierungsbedarf auf Seiten der Partner. Und Freiwillige sollen ihren Dienste nicht wie einen x-beliebigen Job "runterreißen", sondern sich auch auf eine neue Gesellschaft und Kultur einlassen. Ein Freiwilligendienst ist nicht mit einem Arbeitsverhältnis zu vergleichen, bei dem nur die Effizienz zählt. Auch im spielerischen Entdecken liegt eine Chance - für beide Seiten. Konsequenz: Bei allem Versuch, die Anforderungen an die Zusammenarbeit über detaillierte "Stellenprofile" und "Freiwilligenprofile" genauer zu spezifizieren, dürfen wir die (unausgesprochenen) Erwartungen der Kooperationspartner nicht missachten.

• Wir brauchen Verknüpfungen zu sozialen Bewegungen und dem "Dritten Sektor", der wie etwa in Brasilien in vielen Ländern im Aufschwung ist. Dieser Sektor gerät angesichts unzureichender politischer Unterstützung und fehlender finanzieller Ressourcen mächtig unter Druck. Konsequenz: Unsere Partner müssen uns helfen, die internationalen Freiwilligendienste behutsam in ihr sozialpolitisches Umfeld zu integrieren, und Wege zeigen, wodurch wir eine privilegierte Sonderstellung von Freiwilligen vermeiden können.

Durch die personelle Begleitung der ausländischen Freiwilligen tragen die Partner zum Lernen der Freiwilligen bei, ermöglichen erst diese "Wert-Schöpfung". Mit ihrer Hilfe erkennen die Freiwilligen ihre eigenen Veränderungen. Das ist der Lernprozess.

Die Rückendeckung ihrer BegleiterInnen, durch ihre Form, die Freiwilligen einzuladen, einzubeziehen oder auf sie zu "re-agieren", helfen ihnen, ihr eigenes Denken, ihre eigene Motivation und ihr Verständnis vom Leben insgesamt zu verstehen und neu auszurichten. Der Umgang mit (kulturellen) Differenzen und neuen persönlichen wie politischen Herausforderungen (z.B. Ohnmacht und Elend) führen zur Selbst-Vergewisserung, zu einer geistigen, d.h. "spirituellen" Neuausrichtung und zu einer neuen, kollektiv ausgerichteten Identifikation mit "den neuen Werten".

Das ermöglicht den Freiwilligen die Identifikation mit Anliegen, die ansonsten außerhalb ihres eigenen Erfahrungsbereichs liegen. Politisches Handeln wird in einer für die Freiwilligen wichtigen Lebenspassage bewusster, verantwortungsvoller, auf eine neue Weise persönlich und zugleich verbindlicher. Es scheint, dass wir als Gesamtgesellschaft uns dieser spezifischen Form "bürgerschaftlicher Identitätsfindung" zum Zwecke der politischen Sozialisation unserer Bürger bedienen. D.h. die Partner im Süden und die dortigen Gesellschaften liefern eine "Veredelungsleistung", indem junge Menschen aus unseren Gesellschaften bei ihnen Erfahrungen machen dürfen, die dazu beitragen, dass sie als Bürger auch bei uns besser funktionieren.

Alle Beteiligten wünschen sich Sozialisationseffekte

Damit bekommt aber die Art der neuen sozialen Erfahrungen entscheidende Bedeutung. Und es muss betont werden, dass in diesem Prozess alle beteiligten Akteure wichtig sind, auf den sich schließlich alle frei und bewusst einlassen, nicht nur die Freiwilligen! Prinzipiell wünschen sich alle Beteiligten persönliche wie politische Sozialisationseffekte: Sozialisation und Veränderung auf Seiten der Freiwilligen gilt es gleichermaßen anzuerkennen wie auf Seiten der Entsende- und Partnerorganisationen. Schließlich gewinnen gemeinsame neue Identifikationen in dem Solidarität stiftenden Prozess nur so ihre zentrale Bedeutung für neues zivilgesellschaftliches Handeln. "Globales Lernen" findet damit nicht nur in Deutschland statt.

Erfahrene Trägerkreise internationaler Freiwilligendienste erkennen seit langem so verstandenes "Globales Lernen" an. Sie sehen eine Mitverantwortung für die Gestaltung guter Rahmenbedingungen nicht nur auf Seiten der Freiwilligen, sondern auf Seiten aller beteiligten Institutionen. Sie sprechen von allen "relevanten Akteuren". Demgegenüber fokussiert das konzeptionelle Verständnis des BMZ zuvorderst auf das "Lernen durch tatkräftiges Handeln" als einem "effizienten Beitrag zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und zum "Globalen Lernen" in Deutschland".

Konsequenz aus Sicht der handelnden Akteure wäre: Wenn wir uns den Blick auf die ausländischen Partner nicht verschließen, so stärkt der Dienst nicht nur "zivilgesellschaftliche Strukturen in den Entwicklungsländern und in Deutschland". Er ist vielmehr ein Teil eines gemeinsamen Lern-Prozesses, der allen Akteuren eine aktive und freie Beteiligung am gemeinsamen Lernprozess zugesteht. Hierüber kommt er seiner 'zivilgesellschaftlichen Sozialisationsfunktion' für alle Beteiligten nach.

Spielraum für Lernen notwendig

Staatliches Handeln und politische Förderung sollten notwendige Prozessebenen, die die Realität ausmachen, nicht beschneiden. Der frei, in eigener Verantwortung gestaltete zivilgesellschaftliche Spielraum für "Entwicklung und Lernen" ist in seiner Gänze anzuerkennen. Gerade hier in diesem politischen Sozialisationsraum benötigen wir nicht staatlich geregelte oder verordnete Formen von Solidarität, sondern den Respekt gegenüber dem Subsidiaritätsprinzip: Der Rahmen sollte so gesteckt sein, dass die Akteure (Freiwillige, Entsende- und Aufnahmeorganisationen) weitgehend selbst gesteuert und eigenverantwortlich ihr Zusammenspiel in der interkulturellen Zusammenarbeit und Kommunikation gestalten, verbessern und Freiwilligendienste als wechselseitig angelegte Sozialisations- und Lernräume ausbauen können. Und hier zeigt unsere Erfahrung unmissverständlich: Die Partner werden dabei insbesondere dann überfordert, wenn sie kommunikativ nicht genügend oder nur passiv einbezogen werden. An dieser Schwachstelle gilt es, die Entwicklung des Konzept zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Auge zu behalten.

Kontraproduktive Lerneffekte verhindern

Das Informations- und Handlungspotenzial der Partnerstellen ist umfassend zu nutzen. Sie müssen stärker beteiligt werden. Dazu muss die Rolle der Partner bei der Beschreibung der Aufnahmestellen und hinsichtlich ihrer Leistung als verantwortliche Mitarbeiter bei der Begleitung der Freiwilligen besser geklärt werden. Schließlich rechnen derzeit nicht nur die Entsendeorganisationen, sondern auch die Partnerstellen mit einem erheblichen Anteil von "kontraproduktiven" Effekten im Lernprozess der Freiwilligen. Dazu gehört z.B. die Entstehung oder Verfestigung etnozentrischer Stereotypen oder resignativer Einstellungen. Schätzungen gehen davon aus, dass bei bis zu 40 Prozent der Freiwilligen solche "kontraproduktiven Lerneffekte" auftreten. Deshalb brauchen wir ein international abgestimmtes Qualitätsmanagement (QM).

Doch Fehler werden auch auf Partnerseite gemacht. Nicht nur bei neu in Programme aufgenommenen Dienststellen ist die Enttäuschung oft groß, wenn sich die konkreten Rahmenbedingungen vor Ort als völlig anders herausstellen als erwartet oder vertraglich ausgehandelt. Es gibt genügend Fälle, in denen die Begleitung vor Ort nicht von Vertrauen getragen ist. Es fehlt oft der Schutz vor anhaltenden Missverständnissen und manchmal wahren auch die Begleiter nicht die notwendige Neutralität und Distanz gegenüber den Freiwilligen. Transparenz und vor allem Kommunikation sind gefordert: vor, während und nach dem Dienst mit den Freiwilligen, aber auch bilateral zwischen den Stellen im In- und Ausland, die die Durchführung eines Dienstes gemeinsam ermöglichen. Sie tragen umfassend Verantwortung und müssen rechtzeitig intervenieren, wenn erforderlich.

Die Partnerstellen im Ausland beklagen vielfach, nur unzureichend beteiligt zu sein. Die Erfahrung, eher außen vor zu sein als gleichberechtigt involviert zu werden, stärkt traditionelle Wahrnehmungsmuster ihrerseits: Paternalismus statt "Partnerschaftliche Zusammenarbeit", neokolonialistische Regelungen statt "Kommunikation und gemeinsame Prozessgestaltung", so klagen sie.

Mehr Kommunikation könnte helfen

Die Rollen und die Beteiligungsformen auf Seiten der ausländischen Partner müssen eingehender, realistischer anhand der konkreten Erfahrungen vor Ort beschrieben werden. Die Partnerstellen signalisieren einen außerordentlichen Kommunikationsbedarf. Mehr gehört und verstanden zu werden, das scheint für sie der Weg zu sein, ihre Bereitschaften zur Kooperation mit Freiwilligen aufrechtzuerhalten.

Die Partner möchten nicht instrumentalisiert werden. Sie sind bereit, an der "Harmonisierung" der Begleitangebote und dem Qualitätsmanagement (QM) aktiv mitzuwirken. Die aktive Beteiligung an Freiwilligendiensten gibt ihnen - ähnlich wie den Organisationen auf deutscher Seite - die Chance, ihre Handlungsspielräume lokal und global auszuweiten.

Dies zeigen die Workshops ("talleres"), die die AGEH in einem Trägerverbund zum generationsübergreifenden internationalen Freiwilligendienst zur Zeit als Modellprojekt zur "Partnerschaftlichen Zusammenarbeit" in Lateinamerika durchführt, um die Perspektiven der Partner zu erfahren. Die ausländischen Partner können nicht nachvollziehen, wenn sie ausgeschlossen werden von der Festlegung der Gütekriterien und von der Planung und Gestaltung der Begleitangebote. Für sie ist es unangenehm, zu erfahren, dass durch die systematische Ausweitung der Begleitseminare für Freiwillige zunehmend über die "Erfahrungen mit ihnen als Anleiter, Begleiter, Arbeitskollege" u.a.m. gesprochen und geurteilt wird, sie selbst aber nur wenig oder gar nicht an der Reflexion beteiligt sind.

Begleitung der Begleiter gefordert

Sie fordern Raum für die "Begleitung der Begleiter". Qualitätsmanagement ist für sie in der Mehrzahl selbstverständlich. Allerdings möchten sie es nicht betreiben unter Bedingungen, die von außen, etwa nur über vertragliche Regelungen, diktiert werden. Sie sind dankbar für jede Möglichkeit, sich zu beteiligen, aber auch die eigenen Anteile an der umfassenden Angebotspalette zur Begleitung von Freiwilligen auszuweiten. "Als hätten wir keine Fachkräfte für diese Aufgaben zur Verfügung", kommentierte in den letzten Tagen dazu eine Mitarbeiterin aus Bolivien.

Die ausländischen Partner wünschen sich, dass ihre Leistungen in der Begleitung Freiwilliger mehr anerkannt und honoriert werden. Sie fordern, dass ein fortlaufender Erfahrungsaustausch eingerichtet wird. Dies würde der fachlichen Auseinandersetzung und einem Qualitätsmanagement auf internationalem Niveau erhebliche Schubkraft geben.

Darüber hinaus fordern sie unsere Bereitschaft, auf deutscher Seite grundlegend über das, was wir "eigentlich" mit den entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten wollen, nachzudenken. Sie wünschen eine Abstimmung über internationalen Spielregeln im Falle von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten ("Code of conduct").

Deutsche mit missionarischem Eifer

Wir Deutsche müssen uns wegen des "starken Engagements" den "Implikationen unseres missionarischen Eifers" stellen. Gemeinsame, mit den Partnern zusammen erarbeitete Leit- und Lernziele, wie sie derzeit in einigen Trägerkreisen formuliert werden, gewinnen Anerkennung auf allen Seiten der Kooperationspartner. Im Gegensatz zu eurozentristisch deduktiven Verfahren reduziert eine effektive Kommunikation erheblich die bekannten Missverständnisse, die gerade über eine starke auswärtige Einflussnahme und durch die "'Regelungswut der Deutschen" Nahrung finden.

Die Partnerstellen schätzen es, wenn ihre eigene Infrastruktur und ihre eigene Personalressourcen (z.B. auch über ehemalige Freiwillige in Deutschland) genutzt werden bei der Suche nach mehr Regionalisierung von Zuständigkeiten, Koordinationsaufgaben und Infrastruktur für das Krisen- und Notfallmanagement im Netz der internationalen Freiwilligendienste. Die entwicklungspolitischen Leitziele des BMZ-Programms würden durch eine solche Qualität "personeller Begleitung in Kooperation" eingelöst.

Qualität statt Quantität

Mehr Partizipation und Dialogorientierung können den großen quantitativen Impuls der bisherigen Konzeptvorstellung des BMZ durch entscheidende qualitative Impulse nachhaltig ergänzen. Viele neue Handlungsfelder könnten dadurch erst erschlossen werden.

Die Offenheit des BMZ in der konzeptionellen Abstimmung mit deutschen Trägern wird derzeit außerordentlich geschätzt. Diese Offenheit sollten wir durch Offenheit gegenüber den Partnern unterstreichen. Die Partner laden uns ein, mit ihnen in Ruhe zu klären, was wir im Bereich entwicklungspolitischer Lerndienste gemeinsam ausbauen können. Bleibt zu hoffen, dass mit solcher Art Partnerbeteiligung auch die Finanzierung durch den vom BMZ gesetzten, ggf. zu erweiternden Rahmen gedeckt werden kann. Denn das Angebot der Partner sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.

 

Hermann-Josef Platzbecker, Jahrgang 1952, ist Diplom-Pädagoge, Gemeinwesenarbeiter, Supervisor (Deutsche Gesellschaft für Supervision) und Qualitätsbeauftragter/interner Auditor (Deutsche Gesellschaft für Qualität). Er wohnt in Krefeld.