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Kirchliche Organisationen fordern mehr als eine Militär-Entsendung

Von Bettina Stang

Die Diskussion um eine Militär-Entsendung in den Kongo greift zu kurz. Das kritisieren sowohl das katholische Hilfswerk Misereor wie auch die katholische Friedensbewegung Pax Christi in ihren Pressemitteilungen zur Entscheidung der Bundesregierung, sich an der EU-Truppe zur Begleitung der Wahlen im Juni mit der Entsendung von 500 Soldaten zu beteiligen. Neben dem militärischen Engagement sei dringend auch ein politisches Konzept für die ganze Region der Großen Seen notwendig, so Misereor-Länderreferent Raoul Bagopha.

Pax Christi plädiert vor diesem Hintergrund für die Etablierung einer "internationalen Aufbauagentur im Stil des Marshall-Plans" und für den Ausbau der Zivilen Friedensarbeit, die in den vergangenen Jahren "systematisch vernachlässigt" worden seien. Nach Auffassung der Organisation stellt sich der internationale Umgang mit fragilen Staaten und Staatszerfall "immer mehr als Schlüsselproblem internationaler Sicherheits- und Entwicklungspolitik" heraus. Hier seien Methoden der zivilen Konfliktprävention und -intervention dringend weiterzuentwickeln und zu implementieren: "Rein reaktive militärische Ad-hoc-Strategien führen in die Sackgasse - wenn man sich auch über die militärischen Bedenkenträger wundern muss, die Deutschland am Hindukusch, aber nicht in Kinshasa verteidigen wollen", schreibt Pax Christi.

Misereor beruft sich mit Blick auf die Debatte um militärische Eingreiftruppen auf seine Partner vor Ort: "Der Einsatz von EU-Truppen im Kongo ist notwendig, um die politischen Führer und Kriegsherren von gestern sowie die Nachbarländer davon abzubringen, die Waffen vor, während oder nach den Wahlen wieder aufzunehmen", wird Pater Ferdinand Muhigirwa, Direktor des nationalen Instituts für soziale Fragen (CEPAS) in Kinshasa, zitiert. Die Entwaffnung solcher Gruppen und die Herstellung eines Gewaltmonopols durch die neue Regierung seien die eigentliche Herausforderung für die nahe Zukunft. Die Entsendung von Truppen verstärke nach Auffassung des Paters die Anstrengungen von Kirche und Zivilgesellschaft für die Durchsetzung eines demokratischen Wandels im Kongo. Misereor hat die kongolesische Bischofskonferenz bei der Ausbildung von 50.000 unabhängigen Wahlhelfern und Ausbildern in Sachen Demokratie unterstützt.

eins Entwicklungspolitik 7-8-2006