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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als Herausgeber freuen wir uns, dass diese „Null- Nummer“ von „welt-sichten“ vor Ihnen liegt – Auftakt zu einem neuen Auftritt der ökumenisch-entwicklungspolitischen Publizistik. Wir danken unserem bisherigen Chefredakteur Konrad Melchers, dass er sich kurz vor seinem Ruhestand dieser publizistischen Herausforderung mit voller Kraft und Energie gewidmet hat.

Wir verabschieden ihn mit dieser Ausgabe aus seinem langjährigen Einsatz für die entwicklungspolitische Publizistik. Wir wünschen ihm alles Gute und Gottes Segen für den neuen Lebensabschnitt.

Dankbar können wir auch dafür sein, dass es mit viel Ambitionen weitergeht:„welt-sichten“ wird 2008 mit einem neuen Redaktionsteam unter der Leitung von Chefredakteur Bernd Ludermann antreten.

Die neue Zeitschrift „welt-sichten“ sieht sich in großer Kontinuität mit „der überblick“ und „eins Entwicklungspolitik“. Wir werden eine Zeitschrift machen, in der die Fragen der Zukunft der „ökumenischen Bewegung“ ebenso Raum finden wie die drängenden weltweiten Probleme der Armut und der Ungerechtigkeit. Unsere Verantwortung für die Eine Welt, für die Bewahrung der Schöpfung und den Frieden, für Gerechtigkeit – das wird das große Thema sein!

Die Herausgeberschaft wird – anders als zuvor bei der Zeitschrift „der überblick“ – ökumenisch sein. Diese ökumenische Basis hat schon bei „eins Entwicklungspolitik“ die Bewährungsprobe bestanden. Wir dürfen uns den Blick nicht verstellen lassen durch historische Unterschiedlichkeiten und konfessionelle Feinheiten.„ welt-sichten“ ist das Motto. Wir brauchen diesen klaren, unverstellten Blick auf die Realitäten dieser Welt. Globale Herausforderungen zwingen zum Zusammenwirken aller Kräfte im ökumenischen Kontext, um mitzubauen an einer Welt des Friedens und der Gerechtigkeit. Dies ist für Christinnen und Christen wichtiger denn je. Denn die Signale stehen auf Sturm, sowohl beim Weltklima als auch in der internationalen Politik. Da brauchen wir dringend Orientierung. Ökumenische Orientierung und eine globale Perspektive. Dafür steht „welt-sichten“. Ab 2008 jeden Monat neu.

Wilfried Steen
Vorsitzender des Vereins zur Förderung der entwicklungspolitischen Publizistik e. V.

 

 

Zu Dieser Ausgabe

„Es gibt Dinge, über die wird grundsätzlich zu wenig gesprochen und geschrieben.Konkret auf ‘Berlin Mitte’ bezogen, fürchte ich nur, dass wir schwer eine ganze Sendung dazu machen können“, schrieb Maybritt Illner vor einem Jahr an Prof.Volker Lilienthal,damals Verantwortlicher Redakteur epd medien. Lilienthal hatte für „eins“ bei Illner angefragt, ob „50 Jahre deutsche Entwicklungspolitik und 80 Jahre Erhard Eppler“ ein Thema für „Berlin Mitte“ wären. Offensichtlich ist: Auch die Informiertesten des Politikbetriebs setzen Entwicklungspolitik mit Entwicklungshilfe gleich. Dieselben Stars treten vermehrt als Galionsfiguren von Spendenkampagnen auf. Bei ihnen ist Entwicklungspolitik nur gut für Spendengalas, für den moralischen Ablasshandel der Mediengesellschaft.

Es liegt also nahe, zur Stunde Null der Nachfolgezeitschrift von „der überblick“ und „eins“ die Bedeutung – im doppelten Sinn des Worts – der Entwicklungspolitik zu diskutieren. Darüber gibt es sogar unterschiedliche Auffassungen und Missverständnisse bei den Insidern. Im Angelsächsischen und damit auch im Sprachgebrauch der Vereinten Nationen, des IWF, von Weltbank und WTO kommt der Begriff Entwicklungspolitik nicht vor, sondern nur ODA (Entwicklungshilfe) oder schlicht Entwicklung.

Das Thema wird in diesem Heft mit Exkursen in 60 Jahre Zeitgeschichte und in die Zukunft erörtert, mit Visionen, welche Rolle Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert spielen könnte und müsste. Die Beiträge zeigen: Durch die rasante Globalisierung ist Entwicklungspolitik mehr denn je im globalen Kontext zu verstehen. Dabei wächst das Problem der Entgrenzung ihres Politikfelds, das Entwicklungspolitiker gern mit dem Kohärenzanspruch lösen wollen. Ein Thema ohne Ende. Und so ist mein Abschiedswunsch, dass Entwicklungspolitik ein Brennpunkt in „weltsichten“ bleibt. Die Leserinnen und Leser bitte ich, mit konstruktiver Kritik auf diese Nullnummer zu reagieren, damit die eins von „welt-sichten“ Ihr gewünschtes Profil erhält.

Dr. Konrad Melchers
Chefredakteur von "eins Entwicklungspolitik" bis 31.12.2007